Community Organizing
Aufbau regionaler politischer Organisationen in Berlin
Mittwoch, 26. März 2008 um 19:00 Uhr
Dr. Sascha Göttling ist Arbeitspsychologe und promovierte über die psychosoziale Bedeutung der Tätigkeiten langzeiterwerbsloser und geringverdienender Menschen. Als Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung unterstützte er 2007 und 2008 die Initiative zum Aufbau einer Bürgerplattform im Wedding und in Moabit.
Ort: Stiftung Nord-Süd-Brücken, Greifswalder Str. 33a, 10405 Berlin, linker Seitenflügel, 4.OG
Wie bringt man Menschen zusammen?
Community Organizing ist die Idee, Menschen in einem Wohngebiet zusammen zu bringen, die gemeinsam aktuelle Probleme in ihrem Kiez in Angriff nehmen und im eigenen Interesse ihre Umgeben positiv verändern wollen, durch Eigenengagement und durch Druck auf Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung. Der Impuls geht immer von den Bürgern einer Community selbst aus. Durch Aktivierung und Beteiligung lernen Menschen den Umgang mit Demokratie und entfalten ihre Persönlichkeit und Selbstbewusstsein.
Die Idee stammt aus dem Chicagoer Ghetto der 1920er Jahre. Der Gründer dieser Bewegung, US-Bürgerrechtler Saul David Alinsky beschrieb bereits genau die Schritte zur Umsetzung: Durch eine Vielzahl von Gesprächen und Beziehungsarbeit werden Menschen und Institutionen auf der Basis ihrer Eigeninteressen zu einem breiten Bündnis zusammengebracht. Eine Kerngruppe aus Schlüsselpersonen der wichtigen Organisationen gründet eine Bürgerplattform, die u.a. die Finanzierung der Arbeit für drei Jahre sicherstellt und Trainings und Seminare zur Selbstorganisation für die Teilnehmer organisiert. In der so entstandenen selbstständigen Bürgerorganisation verpflichten sich die Gruppen, Organisationen und Institutionen zur Zusammenarbeit und legen die zu bearbeitenden Themen fest. Unterstützt werden sie dabei von einem hauptamtlichen Organizer und dem demokratisch zusammengesetzen Leitungsteam.
In Berlin ist bereits ein Projekt erfolgreich gestartet. Seit dem Jahr 2000 bemüht sich „Organizing Schöneweide“, den wirtschaftlichen Niedergang des Stadtteils im Bezirk Treptow-Köpenick aufzuhalten. So gelang es, gegen Widerstände aus dem Senat, Teile der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft nach Schöneweide zu holen. Laut Prof. Leo Penta von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin-Karlshorst leistet Community Organizing neben den praktischen Erfolgen auch einen Beitrag zum Ausbau einer engagierten aktiven Bürgerschaft und letztlich einer gerechten Gesellschaft.
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