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Lokale Nachhaltigkeit

Regionalwährungen als Instrumente nachhaltigen Wirtschaftens - Die Spreeblüte zu Gast bei der Initiative für Nachhaltige Entwicklung e.V.

Dienstag, 07. Juni 2011 um 18:00 Uhr

Wie gelingt die Schaffung eines menschen- und umweltfreundlichen Zahlungsmittels? Anhand der Spreeblüte, einem für Berlin konzipierten Regionalgeld, wird diskutiert, welchen Nutzen lokale Komplementärwährungen für die Menschen, die Umwelt und die Wirtschaft in der Region haben.

Sind alternative Währungssysteme geeignete Instrumente für die Schaffung sozialer und ökologischer Stabilität? Können Regionalwährungen Wohlstand schaffen, auch ohne Wachstumszwang?

Ort: Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, Universitätsstraße 3b, 10117 Berlin

Initiative für Nachhaltige Entwicklung

Nachlese

Nach einer Darstellung der Eigenschaften und des Nutzens der Spreeblüte kam schnell ein angeregtes Gespräch in Gang. Zuerst wurden technische Aspekte vertieft: Wie kann die von den Unternehmen zugesicherte Leistung bewertet werden? Hier bieten sich prinzipiell zwei Möglichkeiten: über Europreise oder über eine Produktmenge. Wie kann Fälschungssicherheit hergestellt werden? Die üblichen Sicherheitsmerkmale von Geldscheinen können zwar teuer sein, müssen daher auf ein sinnvolles Maß beschränkt werden. Durch die Produktion von ausschließlich 1er-Gutscheinen und die elektronische Abwicklung der größeren Summen sinkt außerdem der Anreiz zur Fälschung erheblich. Es wurde auch angemerkt, daß eine Auf- oder Abwertung der Währung möglich sein müsse, wenn nötig, z.B. bei Euro-Inflation. Das damit verbundene Risiko eines Vertrauensverlustes sei aber hoch.

Die weitergehende Diskussion drehte sich darum, warum der Berliner gescheitert ist und worin die Unterschiede zur Spreeblüte liegen. Damit verbunden war auch die Frage, ob andere, erfolgreiche, Regiogelder wie der Chiemgauer andere Bedingungen hätten, beispielsweise die ländliche Region mit größerer Kaufkraft und hoher Identifikation. Einigkeit bestand darin, daß Regionalwährungen auf keinen Fall nur etwas für wohlsituierte Wohlstandsbürger sein dürfen. Sie müssen für jeden auch praktisch etwas bringen, nicht nur Idealismus. Klar war aber auch, dass vor einer Einbindung von Privaten erst einmal Werte geschaffen werden müssen. Privatpersonen, deren Leistung schwer berechenbar ist, könnten gegebenenfalls über Tauschringe oder eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft beteiligt werden, vielleicht auch über Rabatte oder Lohnzuzahlungen.

Schließlich war auch noch Zeit, die Ausgangsfrage nach der Nachhaltigkeit der Spreeblüte aufzugreifen. Der entscheidende Knackpunkt beim Wachstum ist wohl, ob durch die zusätzliche Kaufkraft insgesamt ein Plus an Produktion und Konsum entsteht oder ob es lediglich zu einer Verlagerung der Wirtschaftprozesse in die Region kommt. Dies ist v.a. eine empirische Frage, die sich nur durch eine wissenschaftliche Analyse, beispielsweise der Stoff- und Geldströme herausfinden läßt. Hier kam - wie an der Uni zu erwarten - die Feststellung, daß noch viel Forschung nötig ist. Wohl an...