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Regionalwährungen als Weg aus der Wachstumsfalle?

Die Spreeblüte zu Gast beim attac-treff

Donnerstag, 28. April 2011 um 19:00 Uhr

Unter der Doktrin des Neoliberalismus und der Deregulierung hat die Finanzspekulation massiv zugenommen, gleichzeitig mit den Vermögen wächst auch die Verschuldung der öffentlichen und privaten Haushalte immer weiter und die Natur wird rücksichtslos ausgebeutet. Eine Ursache dieser Entgrenzung liegt auch in der Struktur des gegenwärtigen Geldsystems. Wie aber gelingt die Schaffung eines menschenfreundlichen Zahlungsmittels?

Die Spreeblüte ist ein Verrechnungssystem für regionale Unternehmen und Privatpersonen. Sie funktioniert nach dem Prinzip der Leistungsdeckung, die TeilnehmerInnen geben sich gegenseitig Kredite ohne Zinsen. Wir wollen diskutieren:

  • Worin liegen die Unterschiede zu anderen Systemen wie z. B. der Eurodeckung?
  • Was sind die Vorteile und Herausforderungen der einzelnen Elemente der Spreeblüte: Kontensystem, Scheine, Webshop, Umlaufsicherung?
  • Worin besteht der Nutzen für die Region, die Menschen, die Umwelt und die Wirtschaft?
  • Können Regionalwährungen tatsächlich Wohlstand generieren, ohne Wachstum zu erzeugen?

Referent: Theophil Wonneberger

Ort: attac-treff Friedrichshain, Grünberger Str. 24, 10245 Berlin S/U Bahn Warschauer Str. (U1), U-Bahnhof Frankfurter Tor (U5). Tram 10 (Grünberger Str.) Bus 240 und 347 (Grünberger Str./Warschauer Str.)

Nachlese

Der Vortrag begann mit einer Auflistung der Gefahren der Globalisierung und der Vorteile regionaler Wirtschaftsstrukturen. Nach einer Erörterung des Problems der Kapitalakkumulation und des Zinseszinses wurden die Elemente der Spreeblüte erklärt: Vernetzung, Kreditvergabe und Umlaufsicherung. Eine rege Diskussion entspann sich an den Fragen wie: Was ist eine sinnvolle Größe für ein regionales Verrechnungssystem? Wie geht man mit Konkurrenz im System um? Kann es trotz zinsfreier Kredite noch Zinsen geben?

Auch die Wirkung der Spreeblüte auf das Wachstum wurde kontrovers diskutiert: Neben eines wachstumsdämpfenden Effektes aufgrund der Regionalisierung und des verminderten Zinsdrucks wurde auch eine wachstumsstimulierende Tendenz der zusätzlichen Liquidität konstatiert. Einigkeit bestand aber darin, daß Wachstum in bestimmten Bereichen, z.B. Care-Tätigkeiten anders zu bewerten ist als in ressourcenintensiven Industrien und daß auch lokales Wachstum immer durch soziale und ökologische Leitplanken begleitet werden muß. Der Abend war schneller vorbei, als sich viele gewünscht hätten. Vertiefende Fragen können aber bei den monatlichen Treffen des Regio Berlin besprochen werden.